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Tod eines unbestechlichen JournalistenMichael Kelly starb als erster
amerikanischer Journalist im Irak-Krieg am 4. April bei einem Unfall
Ich habe einen wunderbaren Freund verloren
und Amerika einen seiner besten Journalisten. Michael Kelly war einer der 600
"eingebetteten" Berichterstatter dieses Kriegs, Chefkorrespondent
des Atlantic Monthly; er wurde getötet, während er mit der 3. Infanteriedivision
der US-amerikanischen Streitkräfte unterwegs war. Kelly arbeitete nicht nur
bei vielen der einflussreichsten politischen Zeitschriften Amerikas -
darunter "The New Republic", "National Journal" und
"The Atlantic Monthly" -, er schrieb auch treffsichere, mutige
Kommentare über Menschen an den Schalthebeln der Macht, und seine
unbestechliche Kritik kam überall dort mit scharfem Sarkasmus daher, wo er
auf Fahrlässigkeit und Machtmissbrauch stieß. Besonders bekannt wurde Kelly für seine
bissigen Attacken auf Bill Clintons ethische Grundsätze. Angesichts seiner Neigung zu ebenso
glühender wie kenntnisreicher Kritik gegenüber dem obersten Demokraten der
Nation fragten sich viele seiner Freunde, wann das Damoklesschwert auf Kelly
herabfallen würde. Der damalige Verleger der "New Republic", Martin
Peretz, ließ Kelly auf der moralischen Skandalwelle reiten, obgleich es
intern heftige Auseinandersetzungen gab. Schließlich hatte auch Joseph
Lieberman innerhalb der Demokratischen Partei nichts anderes gemacht und sich
auf diese Weise den Weg für seine Kandidatur als Vizepräsident Gores
bereitet. Aber als Kelly seine Munition gegen Gores Wahlkampf abzuschießen
begann - dem Kelly, was Clintons schlechtes Beispiel betraf, moralische
Laxheit vorwarf -, wurde er von Peretz gefeuert. Gore hatte in Harvard bei
Peretz studiert, und Peretz war bereit, alles zu tun, um Gore zum Präsidenten
der USA zu machen. Trotz der heiligen Grundsätze von Presse- und
Meinungsfreiheit war ein unabhängig denkender Redakteur der "New
Republic" nur so lange in Ordnung, wenn es darum ging, sich mit Clinton
anzulegen; bei Gore hörte der Spaß auf. David Bradley, der Besitzer des
"National Journal" und "Atlantic Monthly", bat Mike Kelly
eine Zeit lang als Herausgeber beider Blätter das Ruder zu übernehmen und
ihnen mehr Profil bei tagespolitischen Themen zu geben. Man konnte sich
darauf verlassen, dass Kelly kreativ, polternd, chaotisch und brillant war,
manchmal hart in seinem Kommentar und über das Ziel hinaus schießend, aber
von intellektueller Aufrichtigkeit und aufgeschlossen gegenüber einer
Vielfalt divergierender Meinungen. Ich kenne niemanden, der mit Mike Kelly
zusammengearbeitet und ihm je vorgeworfen hat, auf einem bestimmten
Meinungskodex zu beharren, oder dass er von anderen Autoren erwartete, seine
eigenen Ansichten nachzuplappern. Mike Kelly verkörperte jenen Typ eines
Vertreters der "radikalen Mitte" unter den Intellektuellen des
politischen öffentlichen Lebens. Kelly ließ sich nicht den seichten und
vorhersehbaren politischen Schablonen zuordnen, weder bei den Rechten noch
bei den Linken. Seine Ansichten bewegten sich auf beiden Seiten dieses
Spektrums und wiederum auf keiner von beiden. Er befürwortete diesen
Irak-Krieg und wollte vor Ort sein, um für die amerikanische Öffentlichkeit
darüber zu berichten und ihn ihr erläutern zu können. Mike fand, es sei
George W. Bush hoch anzurechnen, dass er sich zu jenen schweren
Entscheidungen durchrang, die Staatsoberhäupter fällen müssen, wenn sie die
Menschen mit Blick auf ein höheres Ziel der Gefahr aussetzen. Ich habe mich gegen diesen Krieg
ausgesprochen - hauptsächlich, weil die Entscheidung des Bush-Teams im
Irak-Konflikt dazu geführt hat, von anderen Bedrohungen wie dem
transnationalen Terrorismus und weiteren Krisenherden wie Nordkorea
abzulenken. Kelly aber konnte sich leidenschaftlich die Grundsätze sogar
derer zu Eigen machen, deren Meinung er nicht teilte. Übersetzung: Ruth Keen Artikel erschienen am 7. Apr 2003 |
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